Warum Baumwolle momentan so billig ist und H&M bald nur noch Bio-Shirts verkauft

Keine Frage: Konventionelle T-Shirts sind günstig zu haben, vor allem beim Textil-Discounter. Dieser Trend könnte anhalten und sich sogar noch verstärken, denn wie Marktexperten schon längst wissen, ist Baumwolle seit einigen Wochen so günstig wie nie. Kaum mehr als 1 Euro kostet das Kilo Baumwolle momentan – im Mai waren es noch 1,57 Euro!

Der Grund für diesen Preisverfall, hinter dem manche Marktanalytiker schon einen Sell-Out wähnen, liegt schlichtweg an der weltweiten Überproduktion von Baumwolle und ihrer gleichzeitig äußerst geringen Nachfrage. Allein die USA rechnen für dieses Jahr mit einer Ausbeute von mindestens 4,5 Millionen Tonnen Baumwolle – dumm nur, dass im Bestand schon satte 24 Millionen Tonnen Baumwolle lagern! Hinzu kommt, dass China die Preise so richtig schaukeln lassen könnte, denn dort lagern alleine 60 % des weltweiten Bestands an Baumwolle.

Gut hingegen ist die Meldung, dass Bio-Baumwolle im Gegensatz zu ihrem konventionellen Counterpart in der Produktion erheblich weniger Kosten verursacht als gemeinhin angenommen:

Bio-Baumwolle in der Herstellung wesentlich günstiger als herkömmliche Baumwolle

Läuft in allen Etappen vom Anbau bis zum fertigen Bio-Baumwoll-Produkt alles glatt, lassen sich nämlich im Vergleich zur konventionellen Baumwollproduktion bis zu 38 % der Kosten einsparen. Dies sei vor allem auf den Wegfall von Düngern und künstlichen Pestiziden zurückzuführen, die im Normal heftigst ins Budget schlagen. Bleibt zu hoffen, dass so das eine oder andere Bio-Shirt auch für Otto Normal erschwinglicher wird. Einen großen Beitrag zur Etablierung von Öko-Textilien dürfte in diesem Sinne wohl der Textil-Riese H&M leisten:

H&M größter Abnehmer von Bio-Baumwolle – weltweit!

Eigentlich ungewöhnlich, über solch einen Big-Player im Bekleidungseinzelhandel derartig „gute“ Neuigkeiten zu hören, aber es ist wahr: H&M hat im vergangenen Jahr soviel Bio-Baumwolle eingekauft wie kein anderes Einzelunternehmen und stattet damit mittlerweile rund 11% seines Baumwoll-Sortiments aus.

Wo ist der Haken?

Die von H&M eingesetzte Bio-Baumwolle ist, wie es sich gehört, von unabhängiger Stelle zertifiziert, und Textilien, die mindestens zur Hälfte aus Bio-Baumwolle gemacht sind, tragen das Etikett „Organic Cotton Blend„. Bis 2020 wolle H&M übrigens, nach Aussage seines Environmental Sustainability Managers H. Lampa, für alle Textilprodukte ausschließlich Bio-Baumwolle verwenden. Eine Etappe auf dem Weg dorthin war es sicherlich, dass H&M die „Better Cotton Initiative“ (BCI) mitgegründet hat.

Nicht nur H&M muss noch Hausaufgaben machen

Bis dahin gibt es (nicht nur) für H&M noch Einiges zu tun, schließlich hat das Bio-Label von H&M den bislang hartnäckigen Makel, dass es eben „nur“ ein firmeneigenes Label darstellt, das bei der Zielgruppe freilich weit weniger Autorität besitzt als die Platzhirsche unter den Biosiegeln. Denn H&M’s „Organic Cotton“-Siegel sagt beispielsweise nichts darüber aus, inwieweit die Bio-Kleidung schadstofffrei ist und wie fair sie gehandelt wurde.

Darüber hinaus müssen alle Unternehmen, die auf den Bio-Zug aufspringen wollen, konsequent und ständig ein Auge auf den gesamten Weg von den Plantagen über die Verarbeitung bis zur Warenauslage werfen, und zwar ganz nach dem Motto: Vertauen ist gut, Kontrolle ist besser. Denn sonst werden sie über kurz oder lang wieder dem Nepp vermeintlicher Bio-Rohstoffe auf den Leim gehen, wie zuletzt im Jahr 2010.

Alles Bio – alles gut?

Mitnichten. Bio allein macht ein Textilprodukt noch keineswegs nachhaltig. Zu viele Parameter von der Herstellung bis zum Vertrieb gilt es zu beachten. Die mittlerweile von vielen Wettbewerbern und Kunden als Standards wahrgenommenen Ansprüche an den fairen Handel an dieser Stelle einmal außer Acht gelassen, lauern die Fallstricke einer nachhaltigen Produktion schon im Metier der „ökologischen Herstellung“ selbst: Nur wenige Bio-Siegel geben nämlich Auskunft darüber, welche Umweltschutzrichtlinien beim Anbau und der Verarbeitung eingehalten werden. Die Baumwollproduktion ist nicht gerade sparsam, wenn es um den Wasserverbrauch geht, und die Bio-Baumwolle ist da keine Ausnahme. Weniger restriktive Labels, wie beispielsweise das „Organic Cotton Mix“ von H&M müssen sich diesbezüglich also noch weiterentwickeln, was sicherlich nur ein Frage der Zeit ist.

 

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