Sinn und Unsinn im Internet of Things 2016

Wenn das Bett online geht – oder besser nicht

Die Betten der Zukunft sind Computer, kein Witz!

Apropos: Wer um Himmels willen hat noch einen PC bei sich zu Hause stehen? Ja, vielleicht im Arbeitszimmer, aber ausgesteckt. Zu viel Strom verbrauchen diese Dinger, und im Job braucht man den Tower allenfalls noch als äußerst leistungsfähige Workstation. Ansonsten verschwinden diese Kisten mehr und mehr aus unseren Wohnungen und Häusern. Kein Wunder, denn da sie so unpraktisch sind, kann man sie nicht mal eben vom Arbeitszimmer an den Küchentisch holen, um nach einem Rezept zu googeln. Tragbar muss der Computer heute sein, womit wir auch schon beim Stichwort „Wearables“ sind: Die Zukunft hat längst begonnen, Computer sind unglaublich klein geworden, sodass man sie überall mit sich herumtragen kann; das kann man insbesondere an den Smartphones sehen, die – anders als die Handys der späten 1990er und Nullerjahre – mithilfe echter Betriebssysteme funktionieren. Der Trend zum Minimalismus ist selbstverständlich nicht gestoppt, sodass nach und nach die Zeiten anbrechen, die wir bislang nur in der Science Fiction bestaunen konnten: Das Internet der Dinge, will heißen, dass in möglichst vielen Alltagsgegenständen digitale Technik steckt, die wir nicht sehen und die vernetzt gesteuert wird.

Zukunftsweisendes Potential des „Internet of Things“

Wie das Internet der Dinge unser Leben verändern wird, ist kaum zu erahnen. Ausblicke darauf gab es, freilich nur für Fachkreise und Journalisten geöffnet, vom 6. bis zum 9. Januar dieses Jahres auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zu sehen. Die Aussicht, dass alles digitalisiert und vernetzt werden kann erscheint zugleich beflügelnd und irritierend. Es geht nicht nur darum, dass in naher Zukunft der Kühlschrank selbständig Essen online nachbestellt, man in komplett vernetzten und per App steuerbaren Wohnungen und Häusern lebt oder dass Autos „von alleine“ fahren werden. Zweifelsohne kann das Potential dieses „Internet of Things“ hinsichtlich neuer Produkte und neuer Absatzmärkte gewaltig sein. Wünschenswert wäre im Ergebnis der Komfortgewinn.

Bei aller Euphorie, die vor allem Unternehmen hinsichtlich neuer Absatzchancen verspüren dürften, sollte hinsichtlich des I-o-t der gesunde Menschenverstand jedenfalls nicht aufgegeben werden. Patrick Beuth titelt seinen Beitrag zum Hype der neuen vernetzten Spielereien auf der CES treffenderweise „Internet of Bockmist„. Demzufolge darf sehr wohl die Frage gestellt werden, ob die Vernetzung im Alltag hier und da wirklich sinnvoll ist. Sinnvoll nicht nur im Hinblick darauf, ob durch die Vernetzung möglicherweise keinerlei echte Allagsbedürfnisse gelöst oder zumindest vereinfacht werden, sondern vielmehr erst geschaffen werden. Kritisch dürfte die Akzeptanz des „Internet of Things“ auch dahingehend werden, wenn die Vernetzung mehr oder minder unbemerkt von statten geht – insbesondere im öffentlichen Raum.

Vernetzte Betten = Überwachung?

Stichwort Überwachung: Ihr gegenüber nehmen wir im vernetzten Alltag bisweilen eine recht ambivalente Haltung ein. Angesichts mancher Praktiken von Geheimdiensten und staatlichem Datenschnüffel wird, zuweilen zu Recht, der Kopf geschüttelt. Wie sehr wir selbst aber vor allem Unternehmen, deren Geschäftsgrundlage unsere Daten sind, ebenjene Daten freiwillig, unbedarft und kostenlos (!) zur Verfügung stellen, zeigt, wie zwiegespalten wir in Sachen Datenschutz und Privatsphäre agieren können. Das Internet der Dinge wird zeigen, wie bedeutend das Thema Datenschutz noch werden kann. Ein freilich gewagtes Szenario wäre beispielsweise, wenn unsere „smarten Betten“ jene Informationen an Dritte weitergeben, wie lang wir darin – und mit wem – und mit welchen Getränken oder Medikamenten intus – geschlafen haben. Ein Hirngespinst? Vielleicht, aber das smarte Bett kommt:

Das smarte Bett

Der US-amerikanische Hersteller Sleep Number, beispielsweise, hat auf der CES eine Matratze präsentiert, die vollgestopft ist mit Sensoren, die den Herzrhythmus, die Atemfrequenz, Bewegungen im Schlaf und viele weitere Informationen aufnehmen und an eine entsprechende App weiterleiten. Mit dieser App ist es dann möglich den eigenen Schlaf zu analysieren und gegebenenfalls zu optimieren. Keine Frage, solche Produkte gehören zum Lifestyle der Selbstoptimierer und Selftracker.

Alles fein soweit, das Unternehmen soll aber planen, die Schnittstellen der Matratze für weitere App-Anbieter freizugeben, sodass mehr Dienste und Services die von der Matratze gesammelten Daten nutzen können. So könnte eine derartige Matratze durch die Verquickung mit Kalenderapps in Zukunft vorschlagen, früher ins Bett zu gehen, wenn ein früher Termin am Folgetag ansteht.

Und das ist der Kern des „Internet of Things“: Selbst vermeintlich banale Alltagsgegenstände wie Matratzen nehmen im Internet der Dinge scheinbar unbemerkt neue Rollen ein. Und damit auch neue Kompetenzen. Inwieweit wir damit auch unsere eigene Entscheidungsfähigkeit abgeben, wird sich zeigen. Zumindest sollten wir dies aus freien Stücken tun. Ob uns das I.o.t. nämlich ohnmächtiger und letztlich „dümmer“ machen soll bzw. wird, darüber dürfte noch zu diskutieren sein.

 

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